das Fundbüro und Frau G.

Liebe Frau G,

was kann man da sagen? Wie mitteile ich Ihnen meine Dankbarkeit? Nicht nur die, für die Rückgabe meiner Schlüssel, ganz zu schweigen von der noch weniger erwartbaren Übergabe des Bargelds! Nein, das versteht sich von selbst, so ein Gedanke (also handelte sich solch ein überaus rücksichtsvolles Werk um die delegierten Verantwortung unseres Mitleids, dann sähen wir auch schon vorm geistigen Auge wie einer darauf reagierte: von Dank erfüllt).

Ohnehin kann ich es wirklich nicht zu schätzen wissen, wie sehr Sie sich die Mühe gemacht haben, um Ihre ehrenhafte Tat bis zum Ende durchzuziehen. Dürfte ich dann noch behaupten, ich weiß es wirklich zu schätzen? Wie dem auch sein mag, mich beunruhigte die Möglichkeit, dass Sie es nicht zu schätzen wissen würden, wie Dankbar ich bin.

Aber es ist noch was.

Als ich jene Strecke auf und ab suchte und nochmal wieder absuchte, drehte eine Frage stets dabei im Kopf herum: Fände ich so eine fremde Habe auf der Straße liegend, was könnte ich bloß tun? Genauer gesagt, wie?

Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass das Eigentum-ohne-Mensch (also ohne entschlossene Hinweise auf bestimmten Eigentümer) sich wieder in der richtigen Hand, wieder in der passenden Tasche, wieder daheim findet.

Daher stellte ich mir eine Dilemma vor: Schlicht da liegen lassen? Lieber auf einen ganz in der Nähe eher sichtbareren Aufstellort legen? Den ganzen Tag am Fundort rumstehend mit den Schlüsseln in der Höhe herumfuchtelnd in alle Richtungen aufschreiend den Fund öffentlich bekannt machen?

Sehen Sie, Frau G, indem Sie mir meine Schlüssel samt Bargeld zurückgegeben haben, haben Sie mir doch sonst etwas anderes indirekt beigebracht: Von so einem „Fundbüro” hatte ich nie gehört. Als ich dieses Wort zum ersten Mal gehört habe, fragte ich, „Gibt’s sowas?” „Ich weiß es nicht wirklich,” kam die Antwort von demselben, der mir auf die Gültigkeit des Wortes hingewiesen hatte.

Um etwas vorwegzunehmen: es war mir etwa unangenehm, einen Zettel mit der Anschrift vom „Finder” zu bekommen, zumal die Frau im Fundbüro zunächst von einem „Anonymen” sprach. Auf dem Blatt steht auch einem vorgeschlagenen Finderlohn von einem Euro, präziser verschriftet: 1,00€. Komisch, dachte ich. Wie kommen sie denn darauf?

„Natürlich können Sie mehr geben,” meinte die Dame. Natürlich, dachte ich auch. Hier stieß ich schon wieder auf noch mehrere Ungewissheiten.

„Pralinen,” sagte die erste, die ich um Rat bat. Ja, sowas geht natürlich auch, dachte ich dazu.

Darauffolgend sprach ich mit meiner Schwester und Mutter, die überlegten und diskutierten. Schließlich meinte die Schwester: „Wenn jemand in so einem Fall willentlich solche persönliche Infos eingibt, dann vielleicht wüsste sie halt gern Bescheid, falls Sachen und Person wieder zusammenfinden.”

Ach! Nun habe ich die Lösung jener vorgestellten Dilemma: Ich hatte nicht gewusst, was mit unidentifizierten gefundenen Eigentum zu tun wäre, gerade weil ich Bescheid wissen wolle, wenn die Sachen erneut daheim zurückfinden. Jetzt weiß ich es.

Ich hoffe nun, dass Sie wissen, liebe Frau G, wie Dankbar ich bin.

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