Der Parkbank Pinkler, Kapitel III: Pfand for a while am Rand der Möglichkeiten

III.

Tach nach der Wiedervereinigung schon wieder.

Zu tun. Flaschen sammeln, in den Automat im Supermarkt bringen. Nicht gerade meine Einkaufsstelle aber die Glasflaschen, die ich über’m Späti habe, lassen sich nicht um die Ecke einlösen.

Aber zuerst einmal zum Bäcker, meinem Café, Schrippe belegt und einen schwarzen Kaffee bestellen zum Da-schlucken, sitzen und Menschen kucken, vor allem Frauen, zwischendurch auch in den meinen Block dichten. Danach Pfand holen.

Wär ich früher wach gewesen, hätte ich’s andersrum gemacht, iss aber nur ein Stündchen später zu dicht beim Bäcker.

Mein Pfand. Obwohl es inzwischen in die Händen und aus den Händen in die Geld- und Hosentaschen, vergessen und nicht vergessenen Wohnungsnischen gesteckt, versteckt und gelegt, vergossen in wer weiß wieviel Schubladen und Gläser und Dosen, beim wer weiß wieviel verschiedenen Verbraucher und default Sammler aus wer weiß wie weit gestreuten europäischen und nicht europäischen Währungsräumen.

Mein Pfand hat nicht nur meine Bakterien drauf. Die Keime gehört uns alle. Alle die irgendwann mit diesen Münzen und Scheinen irgendwas zu schmieren hätten. Mein Pfand. Das Pfand, was ich gleich erhalte, ist eher ein Konzept zur nachhaltigen Menschheitsberührung, es sei denn, Sie glauben etwa, dieser Teil unserer Eintauschökonomie trägt dazu bei, dass sich der Nordpazifikwirbel langsamer anhäuft. Egal. Daher würde die Erneuerbarkeit der Menschheit am besten bedient, wenn das Hin und Her vom förmlichen Zeug, was die Verbreitung von Infektionen erleichtert, per Konsumgesetz andauert.

Nach dem Frühstücken begebe mich in Richtung Bibliothek. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen einige Sitzbänke, vor allem in der Herbstsonne. Kann bis Öffnungszeit in den Warmstrahlen verweilen. Bald wird es denn sowieso wolkig; Licht und Schatten zu dieser Jahreszeit ist wie Tag und Nacht, was dem Temperaturunterschied angeht.

Ungeachtet der Saison ist mir immer Warm im Büchersaal, zumindest angenehm. Nicht wie in Amerika. Sobald es dort draußen eine schöne 25 Grad erreicht, ist die Gemütlichkeit drinnen nicht zu erwarten. Nicht nur im Supermärkte. Ob im Restaurant oder Bürgeramt, egal wo, selbst in ein sonst nettem Café, überall dort haben sie Klimaanlagen eingebaut und zwar immer so tief eingestellt, dass man hineingehend Gänsehaut kriegt. Gezittert im Hochsommer im amerikanischen Lesesaal habe ich auch schon, eventuell wird noch die Nasenspitze klamm.

Aber nicht für die Amis. Dort heißt Klimaanlage air conditioning und conditioning bedeutet zwar Aufbereitung (was zu fragen gäb, Geht’s noch?!) bedeutet aber un-ironischerweise auch so gut wie Klassische Konditionierung – wie bei Pawlow also. Die Ochsen kälbern! Aber nicht bibbern.

_

Nichtstuend
>>Bin ich wirklich ein Delikt, wonach Sie Ordnungsamten jagen müssen?<< fragt der nicht gerade nicht ganz aufrecht aussehende Typ den aufrecht-tuenden Streifenjobber, zwei Kolleginnen im Schlepptau, deren Verantwortung es ist, auf Kleindelikte wie falsch geparkte Autos und alles, was im Milieu der Fahrrad- und Hundebesitzer abgeht, achtzugeben.

Der Mann hat weder Räder noch Hund bei sich. Er saß am Tisch vorm Bäcker, wo er sein für den Tag tägliches Brot und morgendlichen Kaffee her hatte. Da kamen die drei entlang. Die eine tippte das Autokennzeichen in ihren Ding ein, der Moe aus dem Trio stellte sich dem Cafégast als sei dieser verdächtig, wirkt aber fast so, als wollte er sich dies nicht im Gesicht verraten. Doch preisgeben hat er dann mit einem abwertenden Blick auf die Einkaufstüten dick mit Pfandflaschen.

Die Bäckerhelferin war ihrem Kunde gerade zu Hilfe geeilt, hatte kundgeben wollen, dass der eigentlich schon lange Stammgast sei, bevor dieser abwinkend aufstand, sich für das Frühstück bedankte und, mit einem halben Auge auf dem Beamten, kundgab, dass er was Wichtigeres zu tun habe.

Die Erde dreht durch…

Mann in Lichtenberg gewaltsam ums Leben gekommen
Der am heutigen Morgen in der Liebigstraße in Berlin-Lichtenberg entdeckte und kurze Zeit später gestorbene Mann ist gewaltsam ums Leben gekommen. Wie er getötet worden sei, wollte ein Polizeisprecher nicht bestätigen. Der vermutlich obdachlose Mann war auf einer Sitzbank von Urlauber stark blutend entdeckt worden. Rettungsversuche blieben erfolglos.

Helfer angegriffen
Ein helfender Passant trug heute Nachmittag in Friedrichshain eine Verletzung am Arm davon. Der Auszubildende der Polizei bemerkte gegen 13 Uhr einen Obdachlosen, der auf einer Bank in der Palisadenstraße lag. Der 26-Jährige wollte sich vergewissern, dass es dem Mann gut geht und rüttelte den Liegenden an der Schulter, worauf dieser hochschreckte und mit einer abgebrochenen Glasflasche den Helfer abhielt. Der Angegriffene erklärte, dass er Polizist sei und fragte erneut nach dem Wohlbefinden. Der Obdachlose entgegnete, dass er keine Hilfe benötige, so dass der 26-Jährige seinen Weg fortsetzte. Unterwegs bemerkte er dann eine blutende Wunde am rechten Unterarm. Bislang konnte der Obdachlose nicht ermittelt werden.

__

Advertisements

Comments are closed.