Kito Lorenc • 4 March 1938 – 24 September 2017

A giant of a wordsmith has gone to earth. As with grain growing toward its sun — this essayist & playwright and erstwhile editor & dramaturg, foremost bi-lyrical poet & constructor of verbs, decoder & developer of expression — this complete creator of meaning has set down not a last episode, but a lasting one.Bestowed with the legacies of Heine & Hesse and Mann & Lessing, and Petrarca, Kito Lorenc must have been a perfecter of that which Ćišinski is reputed to’ve found in the lyricism of their West Slavic voice, not only digging up each definition by its roots but also spinning the pots in which to replant them.

He translated his own work and was astute enough in that art to be the first to unite his inherent & acquired German & Sorbian in verse. For, as he reckoned, one was good for visits to the public authorities and philosophical musings, the other for house and garden and the walnut tree in the yard.

REDE-WENDUNGEN
Ich steh auf Messers Schneide
knietief in der Kreide
als fünftes Rad am Wagen
und will ein Schnippchen schlagen.

Auf dem Zahnfleisch krieche
ich in Teufels Küche.
Der Teufel malt mich an die Wand
und legt mir Feuer in die Hand.

Ich sauf im Sitzen Tinte,
werf Korn in meine Flinte,
streu Puder auf mein Haupt und jag
die Katze aus dem Klammersack.

Und wie’s mich juckt, so kommen
die Felle angeschwommen
mit Zähnen auf den Haaren,
die noch voll Suppe waren.

Kaum hab ich einen blassen Dunst
der Tuten- und der Blasenkunst,
da beißt die Maus den Faden ab,
der ich den Marsch geblasen hab.

from Wortland by Kito Lorenc (Leipzig Reclam 1984)

 

Advertisements

Der Parkbank Pinkler: rückfünfundzwanzig

Was keiner zugibt, gesagt zu haben.

—so einer
.VXX
Massenpsychologie. Zeuge unheimlicher Lichter
am
Himmel. Zuschauer neuer Programme
im
Fernsehen.
Sie
wären nicht alle Verrückte.
Sie
dürfen ihre Staatsführung mithilfe deren Marketinggags aussuchen.
Da
hat
einer einen Bezug
zur
volkstümlichen Vernünftigkeit. Pop-begründet heißt
er
Sag
Dusmir. Meinte immer,
»Sie müssen mich nicht
Herr Dusmir nennen.

Können ruhig Sag sagen.«

Sucht
und
stimmt vermeintlich nach links. Vermeintlich, meine

ich,
da
er
ja
volkstümlich denkt,
und
wer
volkstümlich denkt,
ist
nun
gut
in
dem
zuletzt gelesenen Berichte versiert. Das funktioniert.Haaaaallo User!
Haaaaallo User!
Hallo User! Hallo User!
Hallo, O! Yoo S. Air! 

Dieser Andere meinte,
die
Gelben
sei
‘ne
Nuttenpartei.
Sie
versuchen
es,
mit
jedem
wo
sie
‘nen
Platz haben. Denkt aber nicht,
die
Grünen wollen grad
bei
der
Nuttenpartei Platz, haben schon
das
Können erwiesen,
mit
der
Jamaikaner
so
gut
wie
mit
der
Ampel
zu
verkehren.

Und
da
das
Rot
von
den
Ampeln, als erste Wahl wohl Freierpartei möchte, nimmt zwar zwei
(t)
stimmig schon in Kauf, Ersatzspielkleidung
mit
ins
Rennen zu nehmen, sich
da
als
größte Nuttenpartei verkauft
und
erwiesen hatte, versteht
sie,
daß
nicht alle eine Nuttenpartei sein dürfen.

Das gibt’s doch gar nicht. Jemand muss bezahlen.

Hä?
Ne!
Nö.
Wie
es
so
Volkstümlich auch bestimmt
ist,
vom
Volk
aus:
Geht wählen. Sieht schwarz. Blecht.

__

 

 

Berlin’s Empty Air

Von wegen, was man nicht wahrhaben wolle. Schmunzeln. Wir begehen uns Richtung 6-Jahre Jubiläum vom originalen Eröffnungstermin vom BER, mit der Jahr-Acht-Verspätungsfest schon angesagt, und glauben tatsächlich, dass noch ein unverbindlicher Bürgerentscheid, die Rechtslage dagegen, die Versuche aus der Politik von der „Frage” zu punkten, und das Theater rundum — nun inklusive, dank Herrn Neumann von der Berliner Zeitung, Analogie zu innerstädtischen Bahnhöfen aus der Geschichte und, in jüngerer Vergangenheit, einem Neubau an der gleichen Stelle, der praktisch nur eine Umbenennung besagt — haben überhaupt eine Wirkung darauf, wie lange Tegel noch in Betrieb gehalten wird. Wenn ich es richtig verstehe (nicht des verlinkten Artikels zu verdanken), ist es bis 6 Monaten nach Inbetriebnahme vom BER. Wer glaubt, dass sich der Schließungstermin nicht genauso-gut verschieben lässt, wird weit mehr als stundenlang darüber palavern dürfen.Und hier, so ein Politiker kann in der Öffentlichkeit von seiner Unterstützung für die direkte Demokratie erzählen, weil er weiß, dass er niemals das Ergebnis eines Bürgerentscheids einhalten muss, der sich von einer Angelegenheit handelt, die er oder seine Kollegen schon davor in einer nicht gerade allzu direct-demokratischen Weise durch eine öffentlich-privat Partnerschaft abgesegnet und versiegelt haben, auf dessen resultierende „glasklare Rechtslage” er immer wieder pochen kann.

 

Parkbank Pinkler Kapitel XXV: Rahmenbedingungen

Da muß ‘ne alte Frau lange für stricken.
XXV.

Entgegen dem Stirnbereich gibt es eine Areal wie ein Himmelsglobus. Die Fläche ist zwar nicht endlos, deren Ende jedoch zutiefst weich bestimmbar. Irgendwo innerhalb bis jenseits von Stirnbogenblick übergeht Menschenblick in den toten Winkel. Für die Malerin bedeutet er eventuell eine lebendige Gegend voller Phantasie. Für die Fotografin ist dies weniger möglich, denn das Bildfeld sitzt zwischen unvermeidlichen Grenzen eingepfercht und lässt sich nicht musisch zieren. Mit dem Rücken stimmungsvollen Feinheiten zurück ins Bild, was sonst aus dem Aufnahmefeld bleiben würde, kann die Malerei in gewissem Sinne akkurater als die Fotografie. Dennoch wird eine Landschaft, sobald sie geschildert wird, zu explizit, um präzise zu sein. Das Gleiche gilt, ob zeichnen oder schreiben oder erzählen oder darstellen. Das Mittel steht am falschen Ende einer Vermittlung. Es kommt nicht an der Entstellung vorbei.

Eine Verfälschung fängt aber schon beim sich Ausmalen an. Und dieses fast gleichzeitig mit dem betroffenen Erlebnis. Zu dem Zeitpunkt, dass die Kripo eine Zeugin befragt, ist das Beibehalten des Mitbekommens nicht nur nicht genau zu bewerten. Das Beibehalten des Beibehaltens und, ferner, die Richtigkeit des Mitbekommens bleiben ein Rätsel nur ungefähr zu betrachten. Selbst wenn sich das Rätsel lösen lässt, ist es vermutlich nicht dasselbe wie aufgegeben. Und das Aufgegebene ist nicht unbedingt richtig. Die Verdrehungsstufen vom Geschehen bis Lösen machen es so.

Ist die Zeugin eine Malerin, wird Einzelheiten im Bild bleiben, vom Foto weit entfernt. Ist sie eine Fotografin, wird sie vielleicht auch noch das Umfeld ihres Fotos beschreiben können. Ist die Künstlerin Fotografin und Mordopfer zugleich, dann ist die Zeugin eine Kamera. Einen Schnappschuss wird von der Kripo befragt, abgeschnitten von der Areal der umliegender Realität, dafür aber ungeschminkt.

__

 

 

Parkbank Pinkler Kapitel XXIV: Kennzeichen eines Plagiats

„Die Marke ist der Mensch.”

—M&M’s
XXIV.

Wonach wir streben ist unverfroren. Davon reden wir nicht. Vertreten und imitieren aber als Handlungsträger, wie vollkommener Schauspieler. Mit den Requisiten vom falschen Ende der Entwendung des Wesens, wodurch wir uns deutlich schon vehement vergoren haben, kommen uns die Anweisungen fast noch ausführbar vor. Wie die Lichter, wodurch wir unsre Aussichtslosigkeit auf dem Schirm berühren, mit Schicksal von jenen und Zigzahl von diesen Abgesuchten, und im Namen von Topos als Symbol der Vergangenheit kopfstehend als Tulpas im Namen der Zukunft, gekennzeichnet vor Ort und verkehrssprachlich in jeder Handschrift, woran wir seit der Blindheit nur so glauben dürfen. Die Lichter, die aus einem Blitz stammen, was davon gesagt wird und was wir nicht vertrauen darüber zu sagen, auf die wir gern glotzen, weil wir aus Fortschritt bestimmt und aus Bestimmung gelenkt sind. Die Lichter implizieren und dirigieren, verwickeln und verschachteln, beschmieren und fingieren, verdoppeln und verwüsten, hypnotisieren pur. Aus der Luft und auf dem Glas, taugen sie durch ihren Taucher. Das Merkmal der Lichter ist das Zähmende. Der Seelenzustand ihres Verbrauchers ist der Ahnungslose, Kraftlose, und Verhängnisvolle.

Continue reading

Parkbank Pinkler Kapitel XXIII: ausgeliehen, ausleiert, ausgelaufen

An untaught peasant beheld the elements around him and was acquainted with their practical uses. The most learned philosopher knew little more. He had partially unveiled the face of Nature, but her immortal lineaments were still a wonder and a mystery. He might dissect, anatomize, and give names; but, not to speak of a final cause, causes in their secondary and tertiary grades were utterly unknown to him.

—Mary Shelley’s Victor
XXIII.

Zunächst versucht man frisch erinnerte Worte mit dem entsprechenden Gesprächspartner zu kuppeln. Dann irgendwann einmal, das Alter noch weiter zugenommen, spielt soviel angesammeltes Selbstgerede irgends im Kopf, wenn auch nicht direkt aktiv, dass das Streben nach Gesprächsursprung ferner zur eingebildeten Erinnerung an mehrere Plauderer kommt, und das Unterscheiden zwischen deren diversen Einzelpersonen gleicht einem Babyspiel: Einerseits kinderleicht, andererseits ohne verständliche Wörter.

Zunächst gibt es Storys. Echte Storys. Lebensgeschichten. Es gibt dann auch Storys binnen Storys, oder Schachtelgeschichten. Jede Lebensgeschichte ist zugleich eine Schachtelgeschichte. Nicht zu guter Letzt gibt es Berichten solcher Geschichten. Erzählungen innerhalb Erzählungen.

Eine Story allein ist nur ein Ablauf – ein Lebenslauf weder vertellt aus dem Mund, noch auf dem Blatt verteilt. In der Kunst dennoch wird der Lebenslauf zum Erzählstoff, und dann auch eine Binnengeschichte im Interesse von der Rahmenerzählung. Es sei denn, wir reden von einer simplen Story. Es gibt aber keine simplen Storys, zumindest nicht, die wahr sind. Auch nicht unerzählt. Es gibt hingegen komplizierte Methoden, wodurch komplizierte Storys, der Einfachheit halber, verständlich gemacht werden können. Zumindest verständlicher.

In Analogie dazu dient das Sparsamkeitsprinzip im Vergleich zu der fast ein Halbjahrtausend später erfundenen Quantentheorie. Auf den ersten Blick hätte selbst Wilhelm von Ockham – oder Johannes Poncius oder wer auch immer – die Sparsamkeit dieser Theorie nicht erkannt. Gebildet in dieser wird sie ihnen aber vieles erklären. Wenn auch heute wir Bauern das Konzept von deren Wahrscheinlichkeitsverteilung nicht in richtiger Weise begreifen können, existieren zum Glück alle richtigen und falschen Weisen in Boxen von Paradoxen. Das ist bestimmt einfach, ob wir vastehn oda nicht.

Um nun eine vorteilhaft irrige Ableitung der oben genannten Wissenschaft voran zu bringen, präge ich hiermit einen Leitspruch: Eine Geschichte soll nur dann für existierend verstanden werden, wenn eine Notwendigkeit besteht, von ihrer Existenz zu erzählen. Diese Sentenz wirft ein paar Fragen auf. Nämlich, Woraus besteht eine bestehende Notwendigkeit? und nämlich rhetorisch, Ist „ohne Notwendigkeit” gleich mit „nichts Wert” zu verstehen? und Falls ja, Wessen Lebensgeschichte ist so nichts Wert?

Die Antwort ist selbstredend Keine Lebensgeschichte ist nichts Wert. Darauf folgt, dass die Notwendigkeit besteht, Schachtelgeschichten zu erzählen. Bevor ich damit anfange, möchte ich noch schnell einem Missverständnis zuvorkommen. Die Metaphysik umfasst zu Recht ausschließlich das, was noch nicht anders eingeordnet worden ist. Kann sein, dass Etwas jenseits der Physik von sich eine Art von Sinne gibt, wird aber noch lange nicht als verstanden gelten, bis es sich in die Sprache der Wissenskultur übersetzen lässt. Was die Physik angeht, war Quant mal Meta (Lass den Stift stehen, wir rechnen hier nicht).

Dafür aber ist das Unbekannte kein Exklusivrecht der Material- und Biowissenschaften. Noch nicht. Nicht verstanden gewesen? Betrachten. Studieren. Forschen. Postulieren. Falsifizieren. Nicht Widerlegbar? Ist keine Wissenschaft. Noch nicht.

Okay los gehts mit der Story. Es war einmal… nein, nicht wirklich, aber es wird verstanden, was ich meine. Es war in Wirklichkeit zu viel mal zu rechnen und ich hab schon gesagt, wir rechnen nicht. Also… als wäre es einmal gewesen, eine Mutter erzählt dem Kind, ihrer kleinen Tochter, eine Gutenachtgeschichte. Das Mädchen liegt im Bett, die Mutter sitzt im Lesesessel am Bettkante. Sie erzählt ohne Buch. Obwohl dies eine mündliche Überlieferung besagt, ist diese Tradition erst noch jünger als die Tochter. Denn die Mutter ist Blind, ohne Sehkraft seit der Geburt des Einzelkindes. Das ist weit mehr als 1001 Nächte her.

Erzählt wird aus dem Gedächtnis die Geschichte von dem Feuerbringer nach Indianersage. Etwa. Mutti ändert ab, kürzt, schmückt aus. Wo gekürzt wird, wird ausgeschmückt, abgeändert sowieso, aber stets getreu dem Bedeutungskern. Also spricht die Mutter, »Es war einmal…« als das Mondlicht fast fühlbar über das Schlafzimmerfenster zieht. Mit den Worten erinnert sich die Sprecherin bildhaft an die eigene Mutter, wie diese die gleiche Legende nach Hesiod liest. Etwa. Denn auch das Mädchens Großmutter garnierte Geschichten gerne. Also sprach die Mutti von der Mutter, »Es war einmal…« und spricht es immer noch im Geiste der zur Zeit am Bettrand sitzenden Sprecherin voller Mondlicht durch den Stammbaum.

»…ein Feuerbringer…«

__

 

 

Der Parkbank Pinkler Kapitel XXII: zuständig machen

„Es gibt kein falsches Leben im privatsozialisierten.”

—Theater a.D.
XXII.

Konserviert und kodiert. Asozial ist der Verweigerer. AI ist nicht der denkende Roboter, AI ist der Mensch im Besitz vom Roboterwillen. Konserviert und kodiert. Asozial ist der Verweigerer. Der Arbeitgeber gibt die Erlösung frei. Schwarmdenken zum fairen Lohn. Die Arbeitnehmer lösen die Bienen ab und nach dem Feierabend gehen diese in die Rente und sterben. Mahlzeit! sagen die Roboter. Keiner versteht. Sie sterben auch. Nach dem Programm. Asozial ist der Verweigerer.

Demnächst entsteht hier noch etwas.
Da ist er.

Na, jut, meinste. Ick will halt in Ruhe gelassen. Ich auch. Nicht ausgegraben und wieder unter schwererer Last begraben. Nicht unbedingt. Die Frage stellen, wer Recht hat hier wen zu begraben, unter 70 Meter Stahl und Betonhöhe. Wird dieses Recht gekauft zum richtigen Preis für die angebliche Gesellschaft? Schöner Trick diese Wortwandlung. Von wegen Gesellschaft.

Natürlich wollt ihr einfach so in Ruhe gelassen werden und es muss nicht unbedingt eine einseitige Berichterstattung sein, die ihr aus die Ruhe reißt. Ihr seht die Unruhe und sucht sofort die Zuständigen und nicht Zuständigen. Mama und Papa gutheißen. Die bösen Anderen sind gewiss schuld. Im Bericht ist immer klar zu spüren, wer die Anderen sind.

Aber habt ihr tatsächlich dieses Elternpaar ausgesucht, oder seid ihr ihretwegen geboren? Gebären haben sie euch ganz und gar nicht, das wissen wir sicher. Und jenseits jedes Kontexts behauptet ihr immer wieder und immer noch, dass Dieda Oben (das ist Mama o. Papa namentlich) nicht in Wahrung eurer Interessen agieren. Im Kontext dieser Behauptung alleine ist „Alles wird gut, Schatz” so verlogen wie heimtückische Vernichtung. Der Bau steht nur kurz, ihr kauft euch eures Gift da drin und lebt noch kürzer. Sicher wollen wir, dass das Hause steht länger als unsere Leben, aber das wollen alle nicht unbedingt. Sobald der Gewinnrisiko stimmt wird umgebaut. Und dafür jemanden extra begraben.

Schaut ihr weg von dem, der entwurzelt wird, noch schlimmer, ahnt ihr ohne zu denken, fühlt ihr euch ohne zu entsinnen, zu schweigen noch empfindsam zu spüren, dann kehrt ihr die Zuständigen und Unzuständigen um.

Und diese Ansammlung von Berichterstattungen, mit ihrer Wortwahl, die Mama und Papa nicht allzu unruhig machen sollte, falls die Journalisten bei Interviews nett auffallen möchten, füttern eures Gewissen gleich mit der Ahnung, dass die entwurzelt zum Teil, wenn nicht ganz, an ihrer Entwurzelung Verantwortlich sind. Unbewusst und unterbewusst, was heißt insgeheim, bekommt ihr die Auffassung, dass, wovon die Entwurzelt entwurzelt wird, gehört ihnen selber sowieso nicht. Als existiert ein bestimmtes Volk nicht, bis ein anderen echt bestimmtes Volk dem betreffenden betroffenen Land einen neuen Name gegeben hat. Auch nicht wenn das Land seit über eine Weile bis dahin schon einen Name getragen hat, der verdächtig wie das vermeintlich nicht vorhandene Volk klingt. Irgendwann tauchen sie einfach so auf sobald man da irgend was nützliches plane. So die Neulinge. Eventuell meint ihr auch, die sei sowieso ein Bisschen unrein, sozusagen, wenn ihr die Gedanken ganz freien Lauf lasst. Unterstützung kriegt man aus der Bibel, der Tora, dem Koran. Glückwunsch. Ihr habt den Sinn des Lebens entschlüsselt, wobei ihr gleich die Frage in die Runde brüllen dürft, warum die Gutmenschen nicht selbst dafür einsetzen, ohne dass ihr irgendwas davon seht, hört, überhaupt spürt. Ihr braucht ja eure Ruhe.

Seid ihr wahrlich sicher, dass ihr die ganze Sache nicht umgekehrt verstehen? Wo kommt der Bauherr her? Wer hat ihm bestellt? Für wie viel und wessen Geld? Wie haben es diese angesammelt, falls es im echten Sinne vorhanden ist? Ist es nicht so, dass solche Leute irgendwann einfach so auftauchen sobald jemand anders daraus etwas persönlich wertvoll geschaffen hat?

Kürzlich hat ausgerechnet eine Linke Stimme erläutert gegen die neuste Entwicklung der Bolivarischen Bewegung an der Nordküste von Neuwelt Süd. Nach dem Motto, ein Bisschen so gegen den Brandmark äußern, damit die Wähler mitbekommen, Linken sind so derart Demokratie freundlich, dass sie jegliche Art von Totalitarismus mit klaren Worten Beurteilen. Na, jut. Eine Lösung wird nicht gleich Vorgeschlagen. Das wird, stell ich mir vor, einen Riss in Linken Wahlprogramm erweisen. Wisst ihr wer dafür eine Lösung hat? Mama und Papa haben eine Lösung. Erster Schritt mündlich heißt irgendwas Blabla-kratie. Erster Schritt im realen Politwelt heißt, jemand wählen, also wählen lassen natürlich, der das Landeseigentum an einer anderen Art von Gesellschaft aushändigt.

Danach wird allet jut, Schatz. Keine Spur von der noch spürbaren Vergangenheit erwähnt. Geredet wird nicht über überparteiliche— Entschuldigung— über aller erlaubten Politmarken der westlichen Neuwelt, die über alle Regierungsperioden Putsche, Putschversuche stiften, Sanktionen gegen alles durchsetzen, dass gut lauft, was heißt, groß konkurriert gegen Mamas und Papas Anleger Freunde. Die noch spürbare Vergangenheit, noch bevor die Verfassungseinschränkungen — bzw. Reformen oder Unterordnen, was ja ein paar Seiten dieser Debatte nur gut verstehen sollte — noch bevor sich die Opposition auf die Straße drängelte. Spürt ihr das nicht, dann seht ihr Bilder von dieser Oppositionswelle, nicht aber die von der Opposition der Opposition. Welche von diesen sind einfach so aufgetaucht oder eingetaucht? Sind vielleicht beide eine Darstellung eines Gegners? Welche agieren und welche Verweigern nur?

Mit seiner berühmtesten Sentenz schrieb Adorno als man ohne Heimat von dem hilflosen Zustand der unausweichlichen Obdachlosigkeit. Ich glaub, nur wenn alle Obdachlos sind, wird das verstanden.

Ich kann die sogenannte Extremen von links und rechts nicht einfach so gleichstellen, wie damals die Alliierten nicht die Sowjets mit Nazis, zumindest bis ’45. Die vorgeblich Vereinigte Staaten haben, oder hat, oder wie det heißen soll oder sollte, nicht ganz grad ihre 45. Präsident. Lange schon zu erwarten ist, diese Kulmination der Demokratie der Landed Gentry, was heißt, eine Mehrfachauswahl Prüfung ohne besten Antwort und Milk & Cookies und Nickerchenzeit.

Ich habe die Erfahrung nicht, noch nicht die Kenntnis, noch nicht die Willkür, irgendjemanden der Gegenwart mit historischen Nazis gleich zu stellen. Aber die, die entwurzelt sind, kommen gleich drauf, ohne sich anders zu überlegen.  Ich kann das nachvollziehen. Oder eventuell nur verweigern, dass nicht nachzuvollziehen.


Da, dadrüben und die Straße dazwischen – Rigaer Straße, Berlin – August 2017

__